Corona: Tipps für Paare

Ein Paar Allgemeine Anregungen für Paare in dieser für viele anstrengenden Corona-Zeit

Die derzeitige Situation stellt für viele Paare gerade eine besondere Herausforderung dar. Deshalb möchte ich Ihnen ein paar allgemeine Anregungen geben, die hilfreich sein können, diese anspruchsvolle Zeit harmonischer zu überstehen.

Dabei ist mir wichtig zu betonen, dass jedes Paar und jeder Mensch unterschiedlich ist. Was für den/die einen sehr hilfreich ist, passt für den/die anderen überhaupt nicht. Übernehmen Sie deshalb von diesen Anregungen einfach das, was für Sie stimmig und hilfreich erscheint und verwerfen Sie gerne, was für Sie nicht so gut passt. Und natürlich ist auch manches leichter gesagt als getan. Trotzdem ist es hilfreich, sich bewusst für bestimmte Verhaltensweisen zu entscheiden. Sie werden merken, dass das Wort „bewusst“ hier sehr häufig auftauchen wird. Und genau darum geht es. Lassen Sie nicht zu, dass Sie zum Spielball der (zugegeben für viele sehr widrigen) Umstände werden. Lassen Sie sich nicht treiben. Bleiben Sie am Steuer Ihres (Er-)Lebens, auch (und gerade) in unruhigen Zeiten.

Hier also ein paar Gedanken:

  • Definieren Sie sich ganz bewusst als Team gegen die widrigen Umstände. Treffen Sie eine Abmachung miteinander, gemeinsam diese Zeit bestmöglich zu meistern. Machen Sie sich auch bewusst, welche Herausforderungen und Schwierigkeiten Sie schon gemeinsam gemeistert haben.
  • Machen Sie sich zudem bewusst, dass Sie sich in einer besonderen Lage befinden. Die allgemein unsichere und angespannte Grundstimmung überträgt sich häufig auch auf die Partnerschaft. Tun Sie sich den Gefallen und legen Sie nicht jedes Wort Ihres Partners/Ihrer Partnerin auf die Goldwaage.
  • Setzen Sie sich jeden Tag ritualisiert zu einer bestimmten Zeit (z.B. nach dem Frühstück oder Abendessen) kurz zusammen und sprechen Sie über Ihre aktuellen Gefühle, Erwartungen und Bedürfnisse. Bleiben Sie dabei konsequent bei sich und schildern Sie wo Sie gerade stehen, was Sie gerade brauchen bzw. sich wünschen. Gehen Sie dabei nicht in die Anklage. Dies würde nur zur Eskalation führen. Fragen Sie stattdessen Ihren Partner/Ihre Partnerin, was er/sie von Ihnen brauchen würde, um Ihnen in Ihren Wünschen und Bedürfnissen entgegen kommen zu können.
  • Jetzt ist nicht die Zeit um Grundsatzprobleme auszudiskutieren. Vertagen Sie das auf ruhigere und „normalere“ Zeiten. Verdrängen Sie diese Grundsatzprobleme allerdings nicht. Schreiben Sie sie auf und legen Sie ab. So können Sie sie in geeigneteren Zeiten wieder aufgreifen.
  • Es ist normal, dass (nicht nur) in diesen Zeiten auch sehr intensive Gefühle hochkommen können. Nehmen Sie diese Gefühle wahr, agieren Sie sie jedoch nicht aus. Dies gilt natürlich besonders für Wut und Aggression. Atmen Sie tief durch und geben Sie dem Gefühl einen Namen (z.B. Angst, Traurigkeit, Wut, Scham, [natürlich ist auch Freude erlaubt], …). Machen Sie sich bewusst, dass Sie mehr sind als Ihre Gefühle und versuchen Sie eine andere Perspektive einzunehmen (z.B. „Wie würde eine mir nahestehende Person jetzt mit diesem Gefühl umgehen?“). Suchen Sie sich gegebenenfalls Hilfe von Außen (hilfreiche Bezugspersonen, Krisendienst, Notfallseelsorge, Hilfetelefone, …).
  • Geben Sie dem Tag eine Struktur und halten Sie diese auch ein.
  • Bleiben Sie attraktiv füreinander. Auch wenn Sie nicht rausgehen, achten Sie auf Körperhygiene und Ihre Kleidung. Lassen Sie sich nicht „verlottern“. Ihre Partnerschaft wird es Ihnen danken.
  • Wenn Sie im Home Office sind: Trennen Sie Arbeit und Freizeit klar voneinander ab und besprechen Sie entsprechende Regeln.
  • Nehmen Sie sich auch ganz bewusst Zeiten für sich selbst (z.B. zum Lesen, Sport zuhause machen, …). Sprechen Sie diese Zeiten mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin bzw. Ihrer Familie ab. Selbst wenn Sie nur sehr wenig Zeit haben (z.B. wegen der Kinder, Home Office, …), können schon kurze bewusste Auszeiten sehr wohltuend sein (z.B. 10 Minuten alleine in einem Zimmer mit einem Tee/Kaffee aus dem Fenster schauen und die Gedanken schweifen lassen).
  • Pflegen Sie (über Social Media und/oder Telefon) bewusst auch andere Kontakte als nur zum Partner/zur Familie.
  • Gehen Sie Projekte an, die Sie schon lange verschoben haben (z.B. Schränke ausmisten, Fremdsprache lernen, ein bestimmtes Buch lesen, …).
  • Entdecken Sie gemeinsam neue oder vergessene Sachen und Aktivitäten, die Sie gemeinsam zu Hause machen können, z.B.
    • alte Fotoalben anschauen;
    • sich gegenseitig massieren (es muss ja nicht gleich eine Stunde sein, probieren Sie auch mal etwas Neues aus, z.B. Hand- oder Fußmassage);
    • über gemeinsame schöne Erinnerungen (Kennenlernen, Urlaube, …) sprechen, auch über witzige Erlebnisse in Ihrem Leben;
    • Brettspiele, Kartenspiele, Puzzle;
    • gemeinsame Online-Kurse (z.B. Kochen, Tanzen, Papierfrösche falten, …);
    • Musik auflegen und wild abrocken;
    • virtuelle Museumsbesuche im Internet;
    • und unendlich viel weiteres (lassen Sie sich einfach im Internet inspirieren).
  • Nehmen Sie sich ganz bewusst Zeit für Nähe und Zärtlichkeit. Falls das Thema Sexualität bei Ihnen gerade problembehaftet ist, machen Sie sich bewusst, dass Sie sich gemeinsame Nähe und Zärtlichkeit auch gönnen können, ohne das dies notwendigerweise gleich zu Sex führen muss. Treffen Sie in diesem Fall eine Abmachung: „Lass uns heute (z.B.) streicheln, umarmen, nackt unter einer Decke liegen, gemeinsam duschen, etc. ohne dass dies zu Sex führt.
  • Schauen Sie auch auf das Positive. Machen Sie sich sich z.B. Abends bewusst: ‚Was war heute gut? Wofür bin ich dankbar?‘. Teilen Sie dies mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin.

Wie gesagt, nehmen Sie von diesen sehr allgemeinen Tipps einfach das, was für Sie stimmig ist. Sollte Ihre Partnerschaft trotzdem in eine größere Schieflage geraten (oder auch schon geraten sein), bin ich natürlich auch in dieser Zeit gerne für Sie da.

Sehr hilfreiche Tipps, wie Sie häusliche Isolation und Quarantäne gut überstehen, finden Sie auch in einem Artikel von Frank Jacobi, Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie (Schwerpunkt Verhaltenstherapie) an der Psychologischen Hochschule Berlin.

Nummern von Hilfetelefonen zu häuslicher und/oder sexueller Gewalt für Kinder und Erwachsene finden Sie auf diesem Flyer des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung: Flyer UBSKM

Viele knapp und gut aufbereitete Informationen zum Thema häusliche Gewalt, wie z.

  • Kontakte zu Beratungs- und Hilfsangeboten
  • Handlungsempfehlungen bei tatsächlicher oder vermuteter Gewalt im Umfeld
  • Möglichkeiten Gewalt vorzubeugen
  • Häufige Fragen zu Corona und Gewalt

finden Sie auch auf der Website Bayern-gegen-Gewalt.de des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales.